Die Geschichte der Milch

Milchwirtschaft gibt es wahrscheinlich seit über 7000 Jahren.

Ziegenmilch gefolgt von Schafmilch ist als erste in die menschliche Nahrungskette aufgenommen worden. In vielen Kulturen hat man bald gelernt, die Milch von Kamel, Eselin, Stute, Hirschkuh, Rentier und Büffel zu verwenden. Das bedeutendste Milchtier wurde aber mit der Zeit die Kuh. In der Religion der Inder gilt sie als heilig.

Weltweit

10.000 Jahre v. Chr.
Man begann Ziege und Schaf, bald darauf das Rind und Schwein zu domestizieren.

6.500 v. Chr.
Ausgrabungen von Catal Hüyük (Türkei) belegen die ältesten Domestikationsversuche.
Zur gleichen Zeit sind Stierkulte, Fruchtbarkeits- und Opferriten entstanden. Zum Melken mussten die Tiere gefangen, festgehalten und zur Milchabnahme stimuliert werden. Die Muttertiere wurden gefesselt und deren Jungen in der Nähe gehalten oder am Hals oder am Bein der Kuh angebunden, um die Milchabgabe positiv zu beeinflussen.

um 3.000 v. Chr.
Die Sumerer, ein altes Kulturvolk zwischen Euphrat und Tigris, haben die Viehzucht für sich entdeckt und dabei das Melken erfunden. Da man fast zeitgleich herausfand, dass sich aus Milch durch mechanische Bearbeitung eine Art Käse herstellen ließ, gilt dieses Datum auch als der Beginn der Geschichte des Käses. Die älteste Darstellung der Milchgewinnung und Milchverarbeitung (Melken, Milchseihen, Buttern) findet sich am Tempel der Lebensgöttin in El Obeid bei Ur/Mesopotamien.

Ca. 2.980 bis 2.475 v. Chr.
Viele der ältesten metallenen Zahlungsmittel zeigen Stiere oder Kühe; das lateinische „pecunia“ (Geld) leitet sich von „Pecus“ (Kleinvieh) ab.

Ca. 500 bis 400 v. Chr.
Milch und Käse dienen Griechen und Römern als Handelsware, Delikatesse, Nahrungsmittel, Opfergabe und Symbol der Wiedergeburt.

430 v. Chr.
Beschreibung der Butterbereitung bei den Skythen (Herodot); Erste Benennung „butyros“ (Hippokrates): Butter als ärztliche Salbe, Ziegenkäse als Gesundheitsförderer

348 bis 322 v. Chr.
Beschreibung von Milch, Lab und Käsebereitung (Aristoteles)

Um Christi Geburt
Publius Ovidius Naso (43 vor bis 18 n. Chr.) schreibt über Milch und Käse in den „Metamorphosen“.
Lucius Junius Moderatus Columella/20 v. – 60 n. Chr. schreibt 12 Bücher über die Landwirtschaft, darin Genaueres über die Käsebereitung, u.a. Caseus oxygala, Gewürz- und Kräuterkäse.

Um 450 n. Chr.
Sankt Theodul, Bischof von Sitten im Schweizer Kanton Wallis wird als Erfinder des Käsens bezeichnet und deshalb Schutzpatron der Käser.

Ca. 565-1066 n. Chr.
Nach dem Niedergang des römischen Reiches und der Ausbreitung des Christentums, bildeten im frühen Mittelalter Klöster die einzigen Zentren kultureller Bestrebung.
Die Mönche kümmerten sich um das Vieh und beschäftigten sich mit der Zubereitung von Käse. Auch in unserem Alpenraum waren es in erster Linie die Klöster, die das Wissen rund um die Milchwirtschaft weitergaben und pflegten.

Ca. 750 bis 1000 n. Chr.
Entstehung der Bezeichnung „Butter“ aus dem Lateinischen „Butyrum“; die frühere Bezeichnung lautete „ancho“

1477 n. Chr.
Pantaleone de Confienza gibt in Turin das erste gedruckte Buch über Milch und mit detaillierten Käsebeschreibungen heraus: „Summa Laticiniorum“.

1659 n. Chr.
Nachweis von Bakterien in der Milch (A. Kircher)

1680 n. Chr.
Entdeckung und Beschreibung von Mikroorganismen mit Hilfe eines selbst gebauten Mikroskopes (bis 300fach) (A. van Leeuwenhoek)

1684 n. Chr.
Entdeckung des Milchzuckers (L. Testi in Venedig); er galt als wertvolles Ausfuhrprodukt und als Handelsartikel der Schweiz

1775 n. Chr.
Entdeckung der Milchsäure in saurer Milch (K.W. Scheele)

1857 n. Chr.
Entdeckung der Milchsäuregärung; L. Pasteur: Erste Pasteurisation

1865 n. Chr.
Offizielle Bekanntmachung des Pasteurisierungsverfahrens (L. Pasteur)

1890
Hochdruckerhitzer 100°C
Flaschenmilchsterilisatoren

1891
Pasteurisierung der Milch in New York

1895
Einführung kommerzieller Milcherhitzer
Versand von in Dosen sterilisiertem Camembert über den Äquator

1896
erste Melkmaschine in Deutschland
erster Schmelzkäse der Welt aus Holsteiner Magerkäse, Butter und Vollmilch

1902
Homogenisiermaschine
Sprühtrocknung
Erster internationaler Milchwirtschaftskongress in Brüssel

1905
Papp-Milchflasche paraffiniert (New York)

1908
erste Pasteurisierungsvorschrift für nicht mit der Tuberkulinprobe getestete Milch

1921
Entdeckung von Vitamin E

1932
Elektropasteur

1938
erste Kannenwaschmaschine

1939
kontinuierliche Süßrahmbuttermaschine

1956
Milchsammelwagen mit Messeinrichtung

1961
aseptische Abfüllung in Kartonverpackung

1965
kontinuierliche aseptische Joghurtherstellung

1970
Test eines Melkroboters in Japan

1971
erste automatische Melkmaschine
erste automatische Milchbearbeitungslinien

1981
indirekte UHT-Erhitzung

1990
ESL-Milch (Extended Shelf Life-Milch /Milch mit verlängerter Haltbarkeit)

Südtirol

1875
Gründung der Sennereigenossenschaft Innichen, aber erst im Jahre 1879 im Landesgenossenschaftsregister registriert.
Am 28.04.2000 wird der Zusammenschluss mit der Sennereigenossenschaft Toblach beschlossen, die endgültige Inkorporation der Sennereigenossenschaft Innichen in die Sennereigenossenschaft Toblach erfolgt am 18.01.2002.

1878
Die erste Genossenschaft, die im Genossenschaftsregister des Kreisgerichtes unter Nummer I/1 eingetragen ist, ist die „Registrierte Sennerei=Genossenschaft Niederdorf m.b.H. Sie muss also als die älteste Sennereigenossenschaft Südtirols angesehen werden, denn erst die Eintragung im Register ist der sichere Beweis für das Bestehen der Genossenschaft.

1883
Gründung der Sennereigenossenschaft Toblach. 1964 schlossen sich die Mitglieder der Sennereigenossenschaft Niederdorf an.

1884
Gründung der Dampfmolkerei-Genossenschaft Sterzing, 1974 Übersiedlung zum derzeitigen Standort in der Jaufenpass-Straße

1891
Gründung der Sennerei Algund

1904
Gründung Dorfsennerei Prad

1926
Gründung der Käserei Sexten. Die Bezeichnung Käserei bzw. Käsereigenossenschaft ist einmalig in Südtirol. Der Betrieb befindet sich noch heute im ursprünglichen, im Jugendstil erbauten Gebäude.

1927
Gründung der Sennereigenossenschaft Schabs-Natz

1929
Gründung einer Milchzentrale in Brixen, 1935 Konkurs und Neugründung im selben Jahr

1941
Gründung des Verbandes der Südtiroler Sennereigenossenschaften, welcher seit dem 2004 die Bezeichnung Sennereiverband Südtirol führt. Im Jahre 1971 zählte er insgesamt 31 Genossenschaften, Interessentschaften und Verbundwirtschaften als Mitglieder. Aufgrund der Durchführung von Rentabilitätsberechnungen konnten bei den Unterpreiskomitees der Handelskammer und den Provinzialpreiskomitees Frischmilchpreiserhöhungen erzielt werden. Dabei wurde erstmalig in der Geschichte der Südtiroler Milchwirtschaft im April 1970 ein fünftägiger Lieferstreik durchgeführt, der zu einer Frischmilchpreiserhöhung von 110 auf 130 Lire führte. 

1957 
kauft der Verband den Milchhof Bozen, der in eine finanzielle Notlage geraten war.

1949
Am 20.04.1949 wurde die Genossenschaft Milchhof Bruneck Gen.m.b.H. mit Sitz in Bruneck gegründet. Im Dezember 1953 wurde der Milchverarbeitungsbetrieb im Zentrum von Bruneck in Betrieb genommen. Aufgrund der steigenden Anlieferung war man 1967 gezwungen, einen neuen großen Verarbeitungsbetrieb zu planen. Dieser wurde 1974 in Betrieb genommen werden.

1950
Gründung der Sennerei Burgeis, ab 1987 von Mila als Produktionsstätte genutzt, seit 2004 wieder selbstständig 

1962
Nach der Gründung der „Vereinigten Sennereien Vinschgau“ im Jahr 1962 wurde die Sennerei knapp ein Jahr später in „Mila Südtiroler Molkereien Gen.m.b.H. umbenannt (mi=Milch, la=latte). Der Milchhof Bozen übernimmt später den Namen Mila.

1954
Am 23.12.1954 wurde die Sennereigenossenschaft Meran-Burggrafenamt mit Sitz in der Gampenstraße in Meran gegründet. 1987 Übersiedelung des Milchhofes in die Schotterwerkstraße

1969
Ab dem 01.01.1969 wird die Milch der Mitglieder der 1912 gegründeten Sennereigenossenschaft Stange zur Dampfmolkerei Sterzing gebracht. Die Sennereigenossenschaft Stange wird aufgelassen.

Zusammenschluss der Milchproduzentengenossenschaft Brixen und der Sennereigenossenschaft Schabs-Natz zur Sennereigenossenschaft Brixen-Schabs-Natz. 1978 Umbenennung in Milchhof Brixen

1978
Beginn der Mozzarella-Produktion im Milchhof Brixen

1970
Erstmalig in der Geschichte der Südtiroler Milchwirtschaft wird ein 5-tägiger Milchlieferstreik durchgeführt, der zu einer Frischmilchpreiserhöhung von 110 auf 130 Lire führte.

1976
Umbenennung der „Dampfmolkerei-Genossenschaft Sterzing“ in Milchhof Sterzing und Beginn der Becherabfüllung von Joghurt

1977
Im Mila-Werk in Bozen wird am 27.10.1977 das erste Mal Joghurt produziert

1984
Fusion der Sennerei Stilfes mit dem Milchhof Sterzing

1988
Aufnahme der Joghurtproduktion im Milchhof Meran

1997
Mila Gen.m.b.H., Milchhof Bruneck Gen.m.b.H. und Sennerei Burgeis Gen.m.b.H. gründen die Milkon Südtirol, eine Genossenschaft zweiten Grades. 2007 tritt die Sennerei Burgeis aus dem Konsortium aus und wird durch die Südtiroler Bergziegenmilch Genossenschaft ersetzt.

1999
Die Sterzinger Joghurttage werden in Zusammenarbeit mit dem Tourismusverein Sterzing und mit verschiedenen Gastbetrieben des Wipptals ins Leben gerufen.

2001
Südtirolweit wird die gentechnikfreie Fütterung eingeführt.

2004
Gründung der Psairer Bergkäserei Bio

Am 21. Juni 2004 erste Probeproduktion mit Milch in der neuerbauten Sennerei Drei Zinnen (neuer Name der ehemaligen Sennereigenossenschaft Toblach-Innichen Gen.m.b.H.) 

2012
Die Mitglieder der beiden Genossenschaften Mila und Senni beschließen in zwei außerordentlichen Vollversammlungen die Fusion der beiden Milchhöfe zu Bergmilch Südtirol. Die Milkon Südtirol ist damit Geschichte.